Was Demokratie nicht ist

Demokratie ist die “Herrschaft des Staatsvolkes”. Da man nicht alle 82.175.684 Einwohner Deutschlands an einen Tisch setzen kann, um Probleme zu besprechen, nutzt man das Stellvertreter-Prinzip und erhält eine “repräsentative Demokratie”. So weit, so gut. Würde man das Prinzip namensgetreu umsetzen, säße dort ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung, kein ausgeglichener Querschnitt, was so viel bedeutet wie:

  • Besteht das Staatsvolk zu 80 % aus politisch informierten Bürgern, bestünde auch das Parlament zu 80 % aus informierten Bürgern.
  • Besteht das Staatsvolk zu 80 % aus Idioten, bestünde auch das Parlament zu 80 % aus Idioten.
  • Besteht das Staatsvolk zu 25 % aus Leuten mit rechter Gesinnung, bestünde auch das Parlamant zu 25 % aus Leuten mit rechter Gesinnung.
  • Besteht das Staatsvok zu 56 % aus Leuten, die keine Flüchtlinge aufnehmen möchten, bestünde auch das Parlament zu 56 % aus Leuten, die keine Flüchtlinge aufnehmen möchten.
  • Wären 30 % des Staatsvolkes von einer Entscheidung direkt betroffen, säßen 30 % der direkt Betroffenen im Parlament.
  • Besteht das Staatsvolk zu 70 % aus Leuten, die sich nicht für Politik interessieren, bestünde auch das Parlament zu 70 % aus Leuten, die sich nicht für Politik interessieren.
  • Besteht das Staatsvolk nur zu 10 % aus intelligenten Menschen, bestünde auch das Parlament nur zu 10 % aus intelligenten Menschen.

Demokratie ist also nicht die “Herrschaft der Wahlgewinner”, denn wer gewinnt die Wahlen? Die Leute,

  • die am besten aussehen
  • die am besten reden können
  • die am überzeugendsten sind
  • die bereits vorausgewählt wurden, um überhaupt eine Wahl anbieten zu können
  • die die meiste mediale Präsenz besitzen
  • über die am meisten oder positivsten berichtet wird
  • die von den meisten anderen überzeugenden Leuten empfohlen wird
  • die am besten vernetzt sind
  • die die besten Argumente haben
  • den Wählern am meisten versprechen
  • die am wenigsten schlechte Presse haben
  • in die die Wähler die meiste Hoffnung setzen
  • etc.

Das alles ist Demokratie nicht. Demokratie ist eben nicht die Herrschaft der Schönsten, Besten, Kompetentesten. Demokratie ist die Herrschaft des Staatsvolkes. Wer also fordert, von den Besten, Geeignetesten regiert zu werden, will keine Demokratie - er will eine Aristokratie: Eine “Herrschaft der Besten”.

Nur: Wer bestimmt, wer “die Besten” sind?

Und wer sagt, dass ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung nicht genau dies wäre?