Unter Föhnen

So, die Melone ist wieder zurück. Den Großteil ihres Urlaubs hat sie auf Twitter verbracht, um sich anzuhören, was die Rechten so denken. Und es ist eine sehr dunkle Welt dort draußen.

Eine wirkliche Diskussion kam leider nicht zustande. Das fällt wohl unter “Twitter könnte eine so großartige Plattform sein”. Vielleicht sollte ich sagen “Eine wirkliche Unterhaltung kam leider noch nicht zustande”, denn es gibt sie, die Leute, die mit Rechten diskutieren und die Rechten, die sich darauf einlassen.

Wirklich finster wird es bei den Leuten, die für keinerlei Argumente mehr erreichbar sind: Sie halten einen für unzurechnungsfähig, werden beleidigend und reagieren auf Nachfragen, warum man denn bitte Schwachsinn geschrieben hat, mit einem lapidaren “wenn du das selbst nicht kapierst”.

Generell wird auf Fragen generell recht wenig reagiert. Gerade die größeren Accounts scheinen eher daran interessiert zu sein, ihre Message rauszuhauen. Auf kurze Nachfragen wie “Und Sie denken, die AfD wird diese Problem lösen?” wird nicht reagiert. Vielleicht ist dies aber auch durchaus legitim: Vielleicht teilen sich die Leute auf Twitter in die auf, die “Content produzieren” und diejenigen, die zum Konsumieren und Diskutieren dort sind.

Was mich aber am meisten wundert: Vieles, was die Rechten dort posten, ist kaum mehr als heiße Luft: Wer sich weigert, Kinderehen zu annulieren, um Rechtsansprüche nicht zu gefährden, “will” Kinderehen. Meldungen aus der Bildzeitung werden blind zitiert. Oftmals wird nur eine Schlagzeile gelesen, die Schuld daran “Merkels Gästen” gegeben und wenn man den Artikel dann liest, steht da überhaupt nichts davon, dass Flüchtlinge oder Migranten in irgendeiner Weise an dem beschriebenen Problem schuld sind.

Was mich als aufgehetztem Rechten besonders nerven würde: So ziemlich alle Behauptungen lassen sich durch Lesen der Artikel bzw. durch Googlen nach weiteren Artikeln zu dem Thema, widerlegen, bzw. ins gerade Licht rücken. Würden die Rechten mal mehr als nur die Schlagzeilen lesen, oder auch mal eine Zweitquelle zu Rate ziehen, würden sie ziemlich schnell merken, dass ihr Weltbild recht schnell zusammenstürzen würde. Müßig zu erwähnen, dass die wenigsten Leute ein Interesse daran haben, ihr Weltbild zu ändern, selbst wenn sie wissen, dass es nicht der Realität entspricht.

Was uns zum nächten Punkt bringt: Die Linken. Es gibt in der (linken) Gesellschaft die unrühmliche Tradition, Rechtes totzuschweigen, niederzubrüllen oder kurz formuliert: Es gibt die Tendens, Undemokratisches mit undemokratischen Mitteln zu bekämpfen. Ich zweifle immer mehr daran, dass man Rechte zensieren sollte: Ganz im Gegenteil. Gerade das, was sie denken, sollte öffentlich zugänglich sein, damit Sympathisanten merken, auf was sie sich einlassen, wenn sie mit rechtem Gedankengut, dass hinter verschlossenen Türen passiert, liebäugeln.

Ich weiß zwar nicht, ob es heute noch die Neonazi-Strukturen wie in den Neunzigern gibt, aber das letztendliche Ziel der damaligen Neonazis war exakt die Errichtung des national-sozialistischen Staates, wie er Adolf Hitler vorschwebte. Und viele haben das anfangs für Unsinn gehalten, bis sie letztendlich selbst dafür gekämpft haben.

Sehr viel wäre geholfen, wenn man den Leuten erklären würde, wie es funktionieren soll, wenn man hunderttausende Flüchtlinge aufnimmt, wenn Menschen mit ganz anderen Weltanschauungen hierher kommen. Leider weiß auch ich nicht, wo die letztendliche Wahrheit, nach der ich beständig suche, zu finden ist, aber dieses Unwissen ist der Boden, auf dem rechte Hetze fußen kann.

Was man sich vor allem mal überlegen sollte: Ist es gut, eine gesellschaftskonforme Meinung zu haben, auch wenn man diese nicht durch Argumente untermauern, bzw. vor anderen Meinungen rechtfertigen kann? Ich glaube, die meisten Menschen haben nichs mit rechtem Gedankengut am Hut, ohne zu wissen warum. Aber ein Weltbild ohne argumentative Untermauerung, sprich: ohne zu wissen, warum man diese Meinung hat, ist sehr leicht für rechte Hetze anfällig.