Das "Die Melone"-Ferienexperiment: Inkludierender Nationalismus im Selbstversuch [UPDATE]

Ein inkludierender Nationalismus kann also funktionieren? Ich persönlich empfinde bloß Ekel beim Gedanken an Nationalismus. Für mich ist Nationalismus ganz klar rechtsverseucht und gefährlich. Aber warum ist das so? Gibt es nicht auch Länder, in denen Nationalismus funktioniert? Frankreich zum Beispiel. Und die USA. Amerikaner haben nichts gemeinsam, als dass sie Amerikaner sind. Amerika ist das Einwandunderungsland schlechthin. Amerika ist - genau wie Frankreich - eine Idee. Und wer sich dieser Idee anschließen möchte, ist herzlich willkommen. Na ja: Zumindest sollte es so sein. Schließlich war es doch genau das, was den amerikanischen Gründungsvätern so vorgeschwebt ist. Heute regieren Trump und der Klu Klux Clan.

Was Frankreich betrifft, lautet die dahinterstehende Idee: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Warum der französische Nationalismus derweil derart nach rechts abgedriftet ist, ist eine ganz andere Geschichte.

Wir Deutschen können Nationalismus - zum Glück (?) - nicht und haben uns von derartigen fiktiven Kollektivierungen, die wir aufgrund des Rassismus in der deutschen Gesellschaft immer in den falschen Hals kriegen müssen, im Großen und Ganzen verabschiedet. Warum eigentlich? Nationalismus wird doch erst gefährlich, wenn er exkludiert, also ausschließt, eine Beurteilung/Einstufung von Nationen vornimmt, ausgehend von einer völkischen/rassischen/biologischen Zusammengehörigkeit. Oder nicht?

Wagen wir also einfach mal das Experiment “Nationalismus”. Es gelten die folgenden Grundsätze:

  • Eine Nation ist ein fiktives Kollektiv. Irgendwer hat ein Gebiet mal - nicht ohne Widerstände in der Bevölkerung - zur Nation “Deutschland” erklärt. Wir greifen diese Idee mehr oder weniger willkürlich als Basis auf.
  • Deutscher ist der, der einen deutschen Pass besitzt. Wer das “Deutscher sein” auf irgendeine völkische/biologische Abstammung zurückführen will, handelt rassistisch.
  • Unser Nationalismus ist inkludierend. Er will Leute mit einbeziehen. Eine bewusste Abgrenzung zu anderen Nationen findet nicht statt, ebenso wenig eine Beurteilung/Bewertung anderer Nationen oder aufgrund von Nationalitäten.
  • Nationen existieren immer nebeneinander. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass jede Nation ihre Interessen nur so gut es geht durchsetzen muss, damit es am Schluss allen Nationen gut geht, denn die Zugeständnisse und Gewinne der einen sind immer die Verluste der anderen. Daher kann das Interesse der Nation immer nur im Einvernehmen mit den Interessen anderer Nationen “stattfinden”. Die Nationen müssen untereinander derart agieren, dass es der Welt - also allen - möglichst gut geht. Das schließt den Neoliberalismus also quasi aus.

Ich werde in erster Linie mit Leuten agieren, deren Ansichten ich nicht teile. Es geht hier gar nicht darum, sich irgendwo zu verstellen oder was zu faken. Aus meiner linken Gesinnung mache ich keinen Hehl. Für das Experiment legen wir besonderen Wert auf die Interessen “der Deutschen” unter Betonung auf die Nationalität, auch wenn sämtliche Forderungen für alle Menschen weltweit gelten dürften.

Zu diesem Zweck habe ich mir einen Twitter-Account angelegt. Wer möchte, kann mir hier folgen: @Linksnationaler [UPDATE: Verlinkung entfernt. Neuer Twitter-Benutzername s. u.].

Bleibt mir nur noch zu erwähnen, dass es mich ganz schön schüttelt, wenn ich mir mein Profil so ansehe und dass es eine ganz schöne Anstrengung bedeutet, mal einen “auf Deutschen” (man beachte die Deutschlandfahne am Nutzernamen) zu machen. Das nenne ich mal “wirklich über seinen Schatten springen”.

Aber was nimmt man nicht alles auf sich zur persönlichen Erkenntnisgewinnung?

Wir alle müssen Opfer bringen, schätze ich …

[UPDATE: Mit meiner Rückkehr aus dem Urlaub erkläre ich das Experiment für beendet. Mein offizieller Twitter-Account ist ab sofort hier zu finden: @die__melone (man beachte die zwei “_”)]