Vom Luxus, keine Meinung zu haben

Wenn ich Diskussionen verfolge, habe ich oft das Gefühl, die Leute, die da diskutieren, hätten den Durchblick, eine Überzeugung, eine feste Meinung, ein festes Weltbild und einfach verstanden, wie die Welt funktioniert. Oder sie haben sich damit abgefunden. Keine Ahnung, wie man so was schafft, aber ich bewundere solche Leute. Ich wäre auch gern jemand mit festem Weltbild, der weiß, “wie der Hase läuft”. Aber das bin ich nicht. Ich bin das genaue Gegenteil davon: Ich habe überhaupt nicht verstanden, wie der Hase angeblich läuft.

Dank dieses Artikels habe ich ich glaube ich verstanden, was diese Leute von mir unterscheidet: Warum wir nicht glauben, was uns nicht passt:

Der Mensch als solcher ist keineswegs offen für Argumente. Im Gegenteil, wir halten an lieb gewonnenen Überzeugungen fest - oft gegen jede Vernunft.

Die meisten Leute scheinen sich eine Meinung zu einem Thema zu bilden und anschließend daran festzuhalten. Koste es, was es wolle. Wie dort oben steht: oft gegen jede Vernunft. Ich könnte das niemals. Ich tue mich äußerst schwer damit, irgendeine Überzeugung in wenigen Worten wiederzugeben. Ich kann immer nur Fakten (?) - oder besser gesagt: die mir zur Verfügung stehenden Informationen - abwägen. Ich komme selten zu einem eindeutigen Ergebnis.

Natürlich habe ich auch so etwas wie eine Meinung. Aber im Gegensatz zum Rest der Welt ist diese Meinung in keinster Weise festgefahren. Eher im Gegenteil:

Grund für die Verrenkungen, die unser Gehirn dabei unternimmt, ist das so genannte Konsistenzmotiv, wie Psychologe Vogel weiter ausführt: “Wir haben das Bedürfnis, dass unser Wissen widerspruchsfrei ist. Alles andere würde ja logisch keinen Sinn ergeben.”

Mir geht es darum, “die Wahrheit” herauszufinden. Ganz egal, ob sie mir in den Kram passt oder nicht. Ich glaube z. B. nicht daran, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Klimawandel (Plural) hat es immer schon gegeben und wird es immer geben. Das Klima ist in ständigem Wandel. Es gibt Bilder aus dem 17. Jahrhundert, die Grönland als grüne Insel zeigen. Daher der Name: Grön-/Grünland. Mittlerweile sind die dort dargestellten Gebiete seit Jahrhunderten von Schnee bedeckt. Das Klima Grönlands war im 17. Jahrhundert einfach wärmer als heute - und damals gab es noch keine oder so gut wie keine menschengemachten Treibhausgase, die laut Wikipedia

mit hoher Wahrscheinlichkeit die wichtigste Ursache der globalen Erwärmung ist.

Auch da steht nur: mit hoher Wahrscheinlichkeit. Es ist also noch nicht erwiesen, dass es wirklich so ist.

Da der Klimawandel - in unserem Fall: Die globale Erwärmung - aber sowas wie Ersatzreligion ist, werden mich für meine Meinung nicht wenige Leute für einen Spinner/Idioten/Falken/Ignoranten/Rechten Hardliner halten. Würde mir jemand meine Ausführung über Grönland wissenschaftlich widerlegen und mir wissenschaftliche Erkenntnisse präsentieren, dass der Klimawandel menschengemacht ist, würde ich sofort von meiner Meinung ablassen und den Klimawandel ebenfalls für menschengemacht halten. Ich hätte nicht das geringste Problem damit. Aufgrund der mir vorliegenden Informationen kann ich mir momentan aber keine andere Meinung bilden, als den Klimawandel nicht für menschengemacht anzusehen.

Natürlich bin ich trotzdem für Umweltschutz, dafür dass Treibgasemissionen gesenkt werden (so viel Scheiß in der Luft kann einfach nicht gut sein - ich will den ganzen Kram nicht ständig einatmen müssen), aber ich glaube einfach nicht daran, dass der Klimawandel damit zusammenhängt.

Guck, da hab ich’s gesagt: Ich glaube nicht daran. Ich habe nicht gesagt, dass ich davon überzeugt bin oder ich wüsste, dass es so ist.

Müßig zu erwähnen, dass für mich nicht der Zweck die Mittel heiligt und ich mich nicht einer Verschwörung anschließen werde, die denkt:

Nun sei doch endlich froh, dass mal was für die Umwelt gemacht wird. Auch wenn dafür ein von den Menschen gar nicht verursachter Klimawandel als Feigenblatt herhalten muss.

Nö, ohne mich. Aber ich verspreche, mich mit dem Klimawandel eines Tages noch näher zu befassen. Wahrheit und so.

Großes Indianer-Ehrenwort!