Jede Form von Extremismus bekämpfen?

Gerade die “christlichenParteien neigen bei der Erwähnung rechtsextremer Vorkommnisse dazu, gebetsmühlenartig darauf hinzuweisen, dass man jede Form von Extremismus bekämpfen müsse. Dabei sollte ein kurzer Blick auf die Zahlen verdeutlichen, dass wir lieber erst einmal den Rechtsextremismus bekämpfen sollten:

Eine kurze Recherche “Todesopfer rechtsextremer Gewalt” führt uns zu einem Wikipedia-Artikel, der 179 Todesopfer rechtsextremer Gewalt aufführt. Wer möchte, kann noch ein paar Dutzend Verdachtsfälle dazurechnen. Gezählt sind Todesopfer rechter Gewalt seit 1990.

Ein Wikipedia-Artikel “Todesopfer linksextremer Gewalt” ist nicht zu finden. Das Einzige, was in die Richtung gehen könnte, wären vielleicht die 34 Todesopfer der RAF von 1971-1993, wobei ich mich schwer tue, die Opfer einer Terrorvereinigung mit den Opfern einer politischen Gesinnung aufzuwiegen, aber sei’s drum. Nach 1990 gingen zwei Todesopfer auf das Konto der RAF.

Egal wie man es also dreht und wendet: Es gehen sehr viel mehr Tote auf das Konto von Rechtsextremisten.

Es gibt weitere Unterschiede: Linksextreme Gewalt geschieht “ereignisbezogen”. Die “Opfer von Linksextremisten” kriegen auf Demos Steine oder Flaschen ab. Die Opfer rechtsextremer Gewalt werden “face-to-face” niedergemacht:

Bei den untersuchten Fällen lag der Anteil von Gewalttaten gegen Personen, bei denen lebensbedrohlichen Verletzungen zumindest billigend in Kauf genommen wurden, im rechten Spektrum bei 33,8 Prozent. Derselbe Anteil lag bei linken Gewalttaten gegen Personen bei zehn Prozent.

Damit einher geht die Zahl der durch politisch motivierte Gewalttaten tatsächlich verletzten Personen: 2016 wurden 653 Opfer durch linke Gewalttaten verletzt, während 1.283 Menschen Opfer rechtsmotivierter Gewalt wurden - fast doppelt so viele also.

Darüber hinaus ist die Terrorgefahr “von links” eher gering:

BKA-Präsident Holger Münch bewertet das Risiko eines Terrorismus von links auch nach den Hamburger Ereignissen jedenfalls als gering. Man gehe hinsichtlich linksextremer Gefährder “von einer Größenordnung aus, die man an einer Hand abzählen kann”, sagte Münch der “Frankfurter Rundschau”. Doch die Fähigkeit zur Mobilisierung eines enormen Gewalpotenzials bei Großereignissen besitze die linksextreme Szene dennoch in zunehmendem Maße.

Angesichts dieser Zahlen den Linksextremismus mit dem Rechtsextremismus in die gleiche Schale zu werfen, finde ich mehr als zynisch. Wer das tut, weigert sich weiterhin, den Rechtsextremismus und den dafür verantwortlichen Rassismus als das große Problem in der Gesellschaft anzusehen, das er in Wahrheit ist.