Islamistischer Terrorismus - Der perfekte parasitäre selbstreproduzierende Organismus

Islamistischer Terrorismus ist der heiße Shit. Terroristen diktieren Gesetze oder versuchen es indirekt (Vorratsdatenspeicherung anyone?), Grenzen sollen dichtgemacht werden, weil ja alle als Terroristen einreisen, um hier Menschen in die Luft zu sprengen und wenn man die Grenzen dichtmacht, ist man natürlich völlig sicher. Oder man schiebt “islamistische Gefährder” gleich ab und entzieht sie damit der Kontrolle deutscher Behörden, wodurch natürlich auch völlig ausgeschlossen ist, dass diese “islamistischen Gefährder” es doch wieder zurückschaffen und wirklich angepisst zurückkommen. Das Dumme an der Geschichte - und was einem die rechten Hetzer z. B. nicht verraten - ist halt nur: Was ist, wenn das Land, in das der “islamistische Gefährder” abgeschoben werden soll, gar keine Lust hat, einen “islamistischen Gefährder” aufzunehmen?

Aber egal. Unwichtige Details. Wir kümmern uns lieber mal um das Wesentliche: Die Zusammenhänge. Wir versuchen erst mal zu verstehen, wie islamistischer Terror entsteht. Woher kommt es, dass sich junge Männer radikalisieren und unschuldige Menschen in die Luft bomben?

Nehmen wir die Pointe vorweg: Islamistischer Terrorismus hat nichts mit dem Islam zu tun. Na ja, das kann man jetzt sehen, wie man will. Fromme Moslems sind islamistische Terroristen in der Regel nicht. Zumindest nicht diese Leute, die zum IS überlaufen und plötzlich für den Heiligen Krieg kämpfen. Ob man den Zusammenhang zwischen Islam und islamistischen Terrorismus deswegen völlig absprechen will, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Die Rechten machen es sich da natürlich einfach: Islam = Terrorismus. Koran-Stellen werden zitiert, blutrünstig, rassistisch, zum Völkermord aufrufend. Was die Leute vergessen: Das Alte Testament ist nicht weniger blutig. Irgendwo meine ich mal gelesen zu haben, dass im Alten Testament 1,5 Millionen Leute umkommen. Es gibt Genozid und alles was da so zugehört. Nur im Gegensatz zum Islam gab es mal die Reformation und seitdem dürfte die Mehrheit der Christen die Bibel nicht mehr so wörtlich auslegen wie große Teile der Moslems in fernen Ländern dies noch zu tun scheinen.

Junge Männer radikalisieren sich, weil sie sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen. Sie rächen sich an einer Gesellschaft, die sie nie haben wollte. Sie berufen sich auf eine Andersartigkeit, die sie mit vielen anderen Menschen gemeinsam haben: Sie sind Moslems oder konvertieren zum Islam, um an dieser Gemeinsamkeit teilzuhaben.

Aber viele Menschen fühlen sich irgendwie anders als der Rest der Gesellschaft. Das ist doch kein Grund, Menschen umzubringen?

Stimmt, denn es geht noch weiter. Diese Gesellschaft, die diese jungen Männer ausgrenzt, bringt unschuldige Moslems um. Immer wieder kommt es zu Kollateralschäden, wenn amerikanische Drohnen in Pakistan Jagd auf Islamisten machen. Allein bei der Kundus-Affäre kamen 140 Zivilisten ums Leben. Die Rechten werden jetzt vermutlich wieder formulieren, dass Al-Qaida diese Menschen als lebende Schutzschilde missbraucht hat. Mag sein, trotzdem bomb ich die nicht einfach weg. Aber na ja: Sind ja “nur Moslems” und damit potentielle Terroristen.

Hier haben wir übrigens eine weitere Rekrutierungsquelle für den islamistischen Terrorismus: Menschen, die Familienangehörige, Freunde, Bekannte durch derartige Angriffe verloren haben. Wer Menschen Schlimmes antut, muss mit Rache rechnen. Oder würde irgendjemand nicht Hass auf ein Land empfinden, dass ständig im eigenen Land herumbombt und unschuldige Menschen umbringt? Wir - im Westen - sollten längst begriffen haben, dass wir schon lange nicht mehr “zu den Guten” gehören - wenn wir das je getan haben.

Was passiert also, wenn hier die ersten Anschläge stattfinden? Die Menschen empfinden nicht den islamistischen Terrorismus als Bedrohung, die Menschen empfinden Moslems als Bedrohung. Dies führt dann zu noch mehr Ausgrenzung, was wiederum zu noch mehr islamistischem Terrorismus führt. Man fordert, die Terroristen in “ihren Heimatländern” zu bekämpfen, wodurch es auch wiederum zu weiteren Kollateralschäden kommt - es kommt immer zu Kollateralschäden -, was wiederum zu mehr potentiellen Terroristen führt. Der Kreis schließt sich also: Der Terrorismus bekämpft den Wirt, dem er entstammt und produziert durch die Reaktion des Wirtes weiteren Terrorismus. Ein perfektes System.

Was den Terrorismus darüber hinaus so gefährlich macht, ist seine Unmittelbarkeit. Der sogenannte “Open Source”-Terrorismus. Um als islamistischer Märtyrer ins Paradies einzuziehen, muss man einfach nur “Allah ist groß” brüllen und sich und andere mit in den Tod reißen. Es ist keine Ausbildung, keine Netzwerkbildung erforderlich. Man macht es einfach und “gehört dazu”. Der IS vereinnahmt die Tat für sich, denn seiner Ideologie entspricht sie, und die Welt zittert. Jeder kann hierdurch zur tickenden Zeitbombe werden. Und genau dazu wandelt sich das Bild der hier lebenden Moslems: Eine Religion, die früher vielleicht seltsam beäugt wurde, wird nun offen bekämpft und abgelehnt. Das färbt auf das tägliche Zusammenleben ab. Moslems merken, wie das Klima ihnen gegenüber abkühlt. Können das vielleicht sogar nachvollziehen. Und die Kinder dieser Moslems, die vielleicht gerade noch heranwachsen, bekommen das auch mit.

Ich will gar nicht absprechen, dass es sich dabei um irgendwelche natürlichen Verteidigungsreaktionen handelt - die Presse tut ihr Übriges dazu -, man darf sich aber nicht vormachen, dass die “einfachen Lösungen” der Rechten da irgendwas lösen könnten. Sie führen in jedem Fall zu mehr Terrorismus. Vielleicht sogar gewollt. Denn je mehr Angst die Menschen vor Terrorismus entwickeln - durch rechte Hetze und immer neue Anschläge -, desto mehr werden sie für rechte Hetze anfällig. “Die Gesellschaft” positioniert sich immer weiter rechts und die Moslems positionieren sich immer weiter “islamistisch”. Vollkommen natürliche emtionale Reaktionen.

Emotionale Reaktionen helfen uns aber nicht weiter. Emotionalität hilft uns im globalen Zusammenleben in den seltensten Fällen weiter. “Rationalität” heißt die Devise. Was muss also getan werden, um islamistischen Terror zu verhindern?

Die beiden Rekrutierungsketten aus Ausgrenzung hier und Kollateralschäden dort müssen durchbrochen werden. Das heißt ganz klar: Die Hetze gegen Moslems muss aufhören. Sofort! Es ist ohnehin schon viel zu viel Schaden angerichtet worden. Das Nebeneinander von Deutschen und ehemaligen Gastarbeitern hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr aufgelöst und das Zusammenleben durch die Generationen hinweg immer mehr normalisiert. Wer wie ich in einer deutschen Großstadt mit hohem Migrantenanteil lebt und auf der Straße ständig an “Leuten, die anders aussehen” vorbeiläuft, ohne bedroht, vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden, hat irgendwann keine Angst mehr vor “dem Fremden”, er nimmt das Fremde irgendwann gar nicht mehr wahr. Er erlebt tagtäglich, wie ehemals “Fremde” immer mehr durch das Zusammenleben selbst integriert werden. Der Islam, den sie “mitbringen”, wird immer “deutscher”, nicht andersherum:

Der Islam wird deutscher, nicht Deutschland islamischer.

Und das ist auch genau das, was mit den Flüchtlingen passieren wird, die hier ankommen: Im Laufe der Jahre werden sie sich von selbst immer mehr anpassen. Die Gesellschaft wird diese Wirkung von selbst auf sie ausüben (außer natürlich bei den Hardlinern, die sich bewusst ausgrenzen). Dazu muss die Gesellschaft sie aber lassen. Man muss Flüchtlinge und Migranten nicht als Bereicherung ansehen (das erzeugt nur unnötigen Druck), man sollte aber zumindest neutral an die Sache herangehen, sich seinen Vorurteilen stellen und diese hinterfragen.

Der Krieg in Afghanistan, die Drohnenmorde in Pakistan und der ganze “War on Terror”, der in fernen Ländern für Tote sorgt, muss beendet werden. Was bringt es, Milliarden Dollar auszugeben, um in Afghanistan in irgendwelchen Höhlen herumzubomben? Das ruiniert nur die amerikanische Wirtschaft und zieht nur noch mehr rachsüchtige Terroristen an. Donald Trump hatte genau dies mit seiner “America First”-Strategie vor: Er wollte sich zunächst der Probleme in Amerika annehmen und den amerikanischen Imperialismus beenden. Jetzt besteht sein Beraterstab aus drei Generälen.

Man muss dem IS den Geldhahn zudrehen. Seine Geldgeber sind bekannt, gehören aber leider zu den größten Käufern deutscher Rüstungsgüter. Wie können sich deutsche Politiker noch selbst in die Augen sehen, die daran beteiligt sind und dies nicht zur Sprache bringen? Die militärische Lösung vor Ort kann nur der kleinste Tropfen auf dem heißen Stein sein.

Man darf sich nach terroristischen Anschägen nicht in dieses Netz aus Angst und Islamophobie verfangen, denn genau das ist es, was Terroristen wollen: Schrecken verbreiten (Terror, lateinisch = Schrecken). Man muss die Hetzer und Politiker einfach reden lassen, die härtere Sanktionen oder ein Durchgreifen fordern (oder ihnen die Stirn bieten). Man darf nicht nach “neuen Gesetzen” oder “mehr Gesetzen oder Befugnissen für die Behörden” rufen. Man darf sich die Gesetze nicht von Terroristen diktieren lassen. Man muss einfach weiter so zusammenleben, wie man es vor dem islamistischen Terrorismus getan hat - auch wenn dies nur bedeutet, “nebeneinander” zu leben -, dann kann man es schaffen, den Terror zu überwinden. Leben wir unser Leben und lassen andere ihr Leben leben.

Es könnte so einfach sein.